Innenansicht und Heilungsweg

Wenn einem Kummer, Schmerz und Leid vertraut sind und Freude wenig Platz findet, trägt die Seele tiefe Wunden…

Manche Wunden sind sehr tief. Deren Heilungsweg fühlt sich so an als würde man als blinder Bogenschütze versuchen die Mitte einer Zielscheibe zu treffen.

📷: Pixabay.com

Ich denke, dass ein Blinder es lernen könnte:

  • mit sehr viel Übung,
  • mit einem guten Trainer,
  • mit viel Geduld,
  • mit einem starken Willen und
  • mit Selbstvertrauen.

Es müsste beim Training aber auch das Umfeld gesichert sein, denn Pfeile eines Bogenschützen können anfangs sehr von der gewünschten Richtung abweichen.

Freude. Sie kann eine starke Emotion sein, die einen großen Schrecken einzujagen vermag. Und doch ist sie für uns als Richtschnur durchs Leben so wichtig. Die Freude lässt uns gut fühlen und uns mit anderen Menschen verbinden. Folgen wir der tiefliegenden Freude finden wir Glück, Erfolg, Gesundheit und Wohlstand.

Ich merke, dass ich am Tag mehr als die Hälfte mit düsteren Gedanken verbringe. Kummer und Leid fühlen sich für mich vertraut und damit sicher an. Und doch wünsche ich mir mehr Freude und Leichtigkeit für mein Umfeld und für mein Leben.

Nun geht gerade die Verhaltenstherapie zu Ende, die ca 3 Jahre ging. Meine Psychologin ist eine wundervolle Trainerin und Begleiterin in schwierigen Zeiten gewesen. Sie ist ein Mensch, der meine Stärken gesehen und mir zugehört hat und dem ich mich öffnen konnte. Sie hat außerdem für die Therapieeinheiten ein sicheres Umfeld geschaffen. Ich werde sie sehr vermissen und trage viele gute Erinnerungen und viele positive Erfahrungen in meinem Herzen.

Um das Bild des „blinden Bogenschützen“ noch einmal aufzugreifen: Ich kann am Ende der Therapie vielleicht wieder ein paar Umrisse erkennen und bin nicht mehr „ganz blind“. Mit dem Pfeil würde ich mittlerweile vielleicht die Zielscheibe am Rand treffen, ohne dass er gänzlich daneben fliegt. Es konnten viele Wunden heilen und meine Lebensqualität hat sich deutlich verbessert.

Und doch ist ein Heilungsweg und ein Lernprozess. Jeder Tag, der nach einer schweren Zeit vergeht, wird es ein kleines bisschen besser und leichter. Es kommt der Frühling, es kommt der Sommer, es kommt der Herbst und zuletzt der Winter. Und schon sind 365 Tage vergangen an denen man gewachsen und weiter geheilt ist.

Affirmation #2: Hilfe heißt auch, andere stark sein zu lassen.

Affirmation #2

Es gibt einige Affirmationen, die mich wie kleine Rettungsanker im Alltag begleiten. Heute stelle ich die Nummer 2 vor (siehe Bild).

Wir helfen gerne. Wir unterstützen Menschen. Wir greifen Anderen unter die Arme und genießen das Gefühl gebraucht zu werden. Doch ist das, was wir geben auch das, was der Mensch braucht? Besteht die Hilfe manchmal nicht auch darin anderen dabei zuzusehen, wie sie Ihre Herausforderungen alleine bewältigen.

Hilfe heißt auch, Andere stark sein zu lassen.

Meine Psychologin erzählte mir vor Kurzem, dass hochsensible Kinder später am erfolgreichsten und glücklichsten waren, wenn die Eltern sie viele Erfahrungen haben selbst machen lassen.  In uns steckt viel Potenzial, das sich nur „ent-wickeln“ kann, wenn es es Raum dafür bekommt.

Hilfe besteht oft darin, dass wir Aufgaben abnehmen und denken, dass wir andere entlasten. Doch manchmal nehmen wir dem Menschen damit die Eigenverantwortung und die Selbständigkeit. Der Mensch wird abhängig und baut langsam bestimmte Fähigkeiten ab, weil er sie nicht mehr nutzt. Oder er bleibt in seiner Komfortzone ohne sich weiterzuentwickeln. Dabei ist genau das Gegenteil wünschenswert.

Mein Vater hatte viele Probleme und ich versuchte ihn gut zu unterstützen, was viel Kraft kostete. Eines Tages meinte eine Sozialpädagogin zu mir, dass ich ihm damit die Möglichkeit nehmen würde, sich selbst um seine Angelegenheiten zu kümmern… Hilfe heißt auch Andere stark sein zu lassen.

Als ich selbst in einer Krise steckte und kurzzeitig bei meiner Mutter lebte, übernahm sie viele Haushaltsaufgaben. Sie wusch meine Wäsche, bereitete Essen zu und machte alles alleine sauber. Sie wollte mir den Rücken frei halten, damit ich schnell eine neue Wohnung finden und wieder auf eigenen Beinen stehen konnte. Der Ansatz ist durchaus fürsorglich. Andererseits fühlte ich mich nutzlos und konnte nichts zum Gemeinwohl beitragen. Im Nachhinein hätte es mir gut getan, wenn ich mich am Haushalt hätte beteiligen können. Es hätte mein Gefühl der Selbstwirksamkeit gestärkt… Hilfe heißt auch Andere stark sein zu lassen.

Es bedeutet allerdings nicht, dass man jede Hilfestellung besser sein lassen sollte. Es ist eher gemeint, dass man dem Anderen seinen Raum lässt und ihn genauer beobachtet: was schafft der Mensch alleine, was kann er selbst – macht es aber ungern und gibt es deshalb ab? Es ist die Frage nach dem richtigen Maß. Oft ist es auch die Hilfe zur Selbsthilfe, die den Anderen selbstständig bleiben oder werden lässt.

Menschen in Seniorenheimen, die damit betraut wurden sich um eine Zimmerpflanze zu kümmern, waren ausgeglichener, gesünder und lebten meist länger. Es heißt ebenso: „Gib‘ dem Kind eine Aufgabe.“ Es macht Kinder stark und stolz, wenn sie diese geschafft haben. Sie fühlen sich wichtig und können sich in die Gemeinschaft (die Familie) einbringen.

Affirmation #2: „Hilfe heißt auch, Andere stark sein zu lassen.“

Fällt jemandem vielleicht eine Situation ein, wo einmal weniger Unterstützung zu mehr Selbstwirksamkeit führen würde?

Alles Gute wünscht Theia 🌙

Ich bin versorgt

Ich bin versorgt.

Dieser Satz ist gerade für mich ein starkes Mindset gegen die vielen Versuche, die in uns Bedürfnisse wecken wollen, die wir gar nicht haben, z.B. durch Werbung oder durch zahlreiche Angebote in den Geschäften. Es fällt mir oft schwer mein Geld beisammenzuhalten, wenn mein impulsiver Teenieanteil verführt wird von der vielfältigen Angebotspalette in den Regalen.

Ich bin versorgt. Ich lebe in einem Land, in dem ich privilegiert bin, dass alle wichtigen Bedürfnisse erfüllt sind. Es mangelt an nichts Wesentlichem, was unser Überleben gefährden könnte. Es braucht nicht viel um glücklich zu sein.

Ich bin versorgt. Ich habe meist mehr als ich denke und mehr als ich brauche. Ich brauche mich nicht von Wirtschaftskonzernen beeinflussen lassen, denn ich bin gut versorgt. Ich brauche keine neue Handcreme kaufen, denn ich habe noch zwei Packungen Zuhause. Ja gut, diese Handcreme hier im Regal ist noch viel nährstoffreicher, enthält weniger Parfumzusätze, macht die Hände noch geschmeidiger und spendet noch mehr Feuchtigkeit. Aber danke, ich bin versorgt!

Versorgt. Handcreme-Herz.

Wenn ich an die wilden Ostzeiten denke, wird mir schnell klar wie sehr wir heute im Überfluss und Überangebot leben. Wir haben früher Butterverpackungen ausgewaschen und als kleine Vorratsverpackungen benutzt, z.B. für den geschnittenen Schnittlauch aus dem Garten. Milchtüten wurden ausgewaschen und als Tüten für die Butterbrote verwendet. Auch damals war ich versorgt. Mehr macht nicht glücklich. Meist ist es eher andersherum, weil Bedürfnisse geweckt werden, die man vorher nicht hatte. Ich bin versorgt.

Man wird von Reizen überflutet und Sonderangeboten gelockt, damit man sein wertvolles Geld an der Kasse zurücklässt. Ich bin versorgt, ich habe alles, was ich brauche. Ich bin zufrieden. Ich bin glücklich. Ich bin dankbar dafür, dass ich gut versorgt bin. (kein guter Konsument, hihi)

Geht es Euch auch manchmal so, dass Ihr vor einem Regal steht und verführt fühlt etwas zu kaufen, was Ihr eigentlich nicht braucht oder noch Zuhause habt?

Liebe Grüße von der versorgten Theia 🌙

Idyllischer Seeblick

Ein idyllischer Seeblick

Diesen idyllischen Ausblick durfte ich vor ca. 3 Jahren genießen. Als Andenken habe ich ihn digital festgehalten und kann ihn nun teilen.

So friedlich liegt das Boot auf der stillen Wasseroberfläche des Sees. Das Grün der Blätter leuchtet frisch, das Blau des Wassers und des Himmels schimmern sanft… Das Bild schenkt mir Kraft und Hoffnung und das Vertrauen, dass Dinge gut werden können.

Welche Wirkung hat das Wasser auf uns? Warum fühlen wir uns beim Anblick von Gewässern und beim Hören von Wassergeräuschen so wohl?

Das Lauschen von Wassergeräuschen setzt Glückshormone frei, die in uns Wohlbefinden auslösen, das Stresslevel senken und die Blutzirkulation aktivieren.

Die bemerkenswerten Auswirkungen von Wasser auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden sind tatsächlich belegbar. Die Forschung zeigt, wie die enge Beziehung zum Wasser das menschliche Gehirn formt. Dr. Wallace J. Nichols nennt es das blaue Bewusstsein: Blue Mind. So heißt auch sein Buch, welches 2021 erschienen ist (ungesponsorte Erwähnung).

Nichols belegt die instinktive, intuitive Verbundenheit des Menschen mit dem Wasser durch Forschungergebnisse aus der Medizin, Psychologie, Neurologie, Biologie und Naturwissenschaften. Ohne Wasser gäbe es kein Leben auf der Erde. Zudem besteht unser Körper zu ca 70 Prozent aus Wasser. Unser Gehirn ist von Wasser umgeben, genauso wie das Baby im Mutterleib. Wir sind auf Trinkwasser angewiesen. Mehr als 70 Prozent der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt. „Blue mind“ wird als sanfter, meditativer Zustand beschrieben, der uns Gelassenheit, Zufriedenheit, Stille, Einheit und Freude empfinden lässt, wenn wir uns in Gewässernähe befinden. Unser limbysches System (emotionales Verhalten) reagiert mit Glücksgefühlen, wenn wir uns in der Nähe von Gewässern aufhalten. Es kann ebenfalls Depressionen und posttraumatische Belastungsstörungen lindern sowie schwerbehinderten Menschen helfen. Auch Bewegungen im See, Meer oder auch Schwimmbad:

  • Senken den Blutdruck
  • Lassen unsere Gedanken fließen
  • Wirken Müdigkeit entgegen
  • Hellen die Stimmung auf
  • Lindern Schmerzen
  • Schenken neue Kraft
  • Lösen Verspannungen
Warum fühlen wir uns an Gewässern wohl?

Am Meer oder am See verbessert sich unsere Selbstwahrnehmung. Die Wasseroberfläche dient als Projektionsfläche, um unsere Emotionen und Empfindungen zu spüren und darüber nachzudenken. Das Tageslicht wird auf natürliche Weise nirgends stärker reflektiert als hier. Auch der Himmel wird auf dem Wasser gespiegelt. Schauen wir auf den Horizont so erahnen wir die Weite des Himmels und des Wassers und fühlen uns frei.

Wenn wir von Gewässern umgeben sind dann kommen wir zur Ruhe. Sanftes Wellenrauschen gleicht unserem Atemrhythmus… Das Blau des Wassers wirkt energetisierend und stressmindernd. Die Farbe Blau steht für Sanftmut. Gleichzeitig repräsentiert Blau auch eine klare Besonnenheit, Objektivität, Neutralität und Klarheit – das schenkt Vertrauen und vermittelt ein Gefühl von Sicherheit.

Frische Luft und frisches Blau regen uns dazu an aktiv zu werden und Aufgaben anzugehen. Wasser fließt, es bewegt sich fort, passt sich der Umwelt an und folgt den Rhythmen der Natur. Wir können uns daran orientieren, unsere Gedanken fließen und uns von der Natur berühren lassen. Wenn wir öfter die Nähe von Gewässern aufsuchen oder gar darin schwimmen, dann verbessert sich unsere Gesundheit und somit unser Wohlbefinden.

In diesem Sinne wünsche ich viel Freude beim nächsten Uferspaziergang. Liebe Grüße Theia 🌙

Affirmation # 1: „Alles ist gut, weil ich gut für mich sorgen kann.“

Affirmation #1

Ich habe einige Affirmationen/ Sätze, die mir in aufregenden oder stressigen Situationen helfen. Gerne möchte ich sie hier teilen. Heute stelle ich die 1. Affirmation vor.

In den letzten 6 Monaten bin ich drei mal nachts mit rasendem Herzschlag aufgewacht. Es hat mir große Angst eingejagt. Und diese Angst hat wiederum das Herz noch schneller schlagen lassen. Ein Teufelskreis… Ich versuchte mich auf meinen Atem zu konzentrieren, doch mein rasendes Herz ließ es kaum zu. Dann erinnerte ich mich an eine Affirmation, die mir manchmal in stressigen Situationen hilft. Ich hatte sie einmal auf einer ausgeliehenen CD gehört: „Alles ist gut, weil ich gut für mich sorgen kann.“

„Alles ist gut, weil ich gut für mich sorgen kann.“ Diesen Satz wiederholte ich gedanklich immer wieder. Und wieder und wieder. Langsam spürte ich, dass ich real in keiner gefährlichen Situation war. Ich wurde von keinem Säbelzahntiger verfolgt, noch musste ich anderweitig um mein Leben fürchten. Es war lediglich der Körper der alarmiert war.

„Alles ist gut, weil ich gut für mich sorgen kann.“ Dieser wiederholte Satz im Geiste schenkte mir mehr und mehr Vertrauen darin, dass mir gerade nichts Schlimmes widerfährt. Ich fühlte mich Stück für Stück wieder sicherer und konnte somit meinen Herzschlag beruhigen. Langsam wurde es auch wieder möglich mich auf meinen Atem zu konzentrieren. Und so kam ich wieder zur Ruhe. Ich musste mich noch einen Moment von der Erfahrung erholen und kurz die Eindrücke sortieren. Ich atmete ruhig und gleichmäßig und sagte mir noch einige Male: „Alles ist gut, weil ich gut für mich sorgen kann.“. Dann schlief ich wieder ein.

Falls so etwas wieder passieren würde, weiß ich nun ein Rezept, das mir hilft. Auch beim wiederholten Auftauchen, fühlte ich mich anfangs überfordert. Man taucht ja aus dem Schlaf auf und muss die Lage erst einmal einordnen. Doch sobald ich mich an diese Affirmation erinnere, fängt sie langsam und stetig an zu wirken. Auch im Alltag versuche ich sie oft zu wiederholen, damit sie mir in stressigen Situationen schneller wieder einfallen kann. Mein Nervensystem darf sich sozusagen an diese, für mich heilsamen, Worte gewöhnen, um ein guter Helfer in der Not zu sein.

Gerne einmal in solch einer oder ähnlichen Situation mit einem hohen Stresspegel ausprobieren. Mir hat es sehr geholfen.

Liebe Grüße, Theia

Neujahr

Es ist Winter. Wie ein Dejavu gehen die Inzidenzen nach oben und C* hält eine neue Überraschung für uns bereit. Es zerrt und reißt an meinem Nervenkostüm. Eine kleine Auszeit mit dem Schreiben und ein Auftanken der Kräfte waren notwendig.

An Weihnachten und Silvester habe ich viele Glückmomente sammeln dürfen und möchte nun das neue Jahr begrüßen.

Ein Neubeginn

Der 365. Tag hat das Jahr 2021 gestern vollendet. Der Kreis hat sich geschlossen, um sogleich einen neuen Kreis für uns zu öffnen. Tag 1 in 2022 ist der erste Schritt in ein neues Haus mit 365 Räumen. Diese 365 Räume bieten uns viele: 

  • Neue Möglichkeiten
  • Neue Herausforderungen
  • Neue Abenteuer
  • Neue Wegbegleiter
  • Neue Glückmomente
  • Neue Erfolge
  • Neue Prüfungen
  • Neue Entdeckungen
  • Neue Geschenke und vieles mehr.

Und wir können dankbar für viele liebe Menschen sein, die uns schon lange umgeben. Wir können viele Privilegien schätzen, die für uns selbstverständlich sind und Menschen in ärmeren Ländern fehlen. Wir können manch Altes, Trauriges und Schmerzhaftes hinter uns lassen, um Raum für Freude und Kreativität zu schaffen. Liebes Jahr 2022, ich komme um zu bleiben… 

Ich wünsche mir für 2022 ein freundliches Miteinander mit meinen Freunden, meiner Familie, meinen Kollegen, meinen Nachbarn, mit Menschen die mich unterstützen und mit mir selbst.
Ich wünsche mir Empathie und Mitgefühl genauso wie einen verständnisvollen und respektvollen Meinungsaustausch. 

Ich wünsche mir, dass wir erkennen, dass wir ängstliche und verletzbare Wesen sind und dies uns als Menschen verbindet. Wir sehnen uns nach der vertrauten Normalität, nach sozialen Kontakten, nach einer herzlichen Umarmung und danach, dass uns jemand sagt: „Alles wird gut.“ 
Wir haben viele Entbehrungen hinnehmen müssen (z. B. Lockdown, Flut), wir haben gelitten (z. B. Einsamkeit und Verluste) und Großes geleistet (z. B. Homeoffice und Homeschooling) um gemeinsam das vergangene Jahr zu meistern… 

Liebes Jahr 2022 ich begrüße Dich mit offenen Armen und wünsche mir für unsere Gesellschaft, dass wir wieder mehr Sicherheit, Planbarkeit und Zusammenhalt erfahren dürfen. Möge es eine neue gemeinsame und lösungsorientierte Haltung geben, die uns verbindet. Wir sind alles Menschen… Der Fall der Mauer hat uns Menschen damals wiedervereinigt und die Grenzen aufgehoben…

Liebes Jahr 2022 ich schenke Dir das Vertrauen, dass auf gesundheitlicher Ebene eine Kehrtwende herbeigeführt werden kann und wir zusammenhalten werden.
Ich plane jeden der 365 Tage ein wenig besser und freundlicher zu werden – bis die nächste Silvesternacht das Tor wiederum zu neuen Räumen öffnen wird…

Ich wünsche allen ein glückliches und erfülltes neues Jahr 2022! 
Alles Gute, Theia

Die Bogenschützin

F. Lepcke: Bogenspannerin

Stell‘ Dich hinter mich!

Ich beschütze Dich!

Der Blick klar nach vorn gerichtet.

Fokus ist dem Pfeil verpflichtet.

Das Auge wachsam auf der Hut,

Verspricht Dir Sicherheit und Mut.

Der Bogen gespannt, jederzeit,

Zum Wohle, Schutze, Leichtigkeit.

Ich versorge Deine Wunden,

Egal wie tief – sie gesunden.

Lass‘ Dich fallen, hab‘ Vertrauen.

Ich werde neue Brücken bauen.

Brücken überwinden Flüsse.

Sonne folgt auf Regengüsse.

Kommt eine Gefahr Dir zu nah,

Sei gewiss, für Dich bin ich da.

Stell‘ Dich hinter mich!

Ich beschütze Dich!

Die Bogenspannerin (Foto) hat mich sehr fasziniert. Sie hat mich zu diesem Gedicht inspiriert. (copyright by Theia Moon).

Das Gedicht kann aus verschiedenen Blickwinkeln gelesen werden:

– Die Eltern für ihre Kinder

– Der „innere souveräne Anteil“ für das „innere Kind“

– Für Freund:innen

– Für Jemanden, den man beschützen möchte

– Für Paare

– etc

Was schafft Vertrauen?

Vertrauen. Es gibt Menschen, die Dir helfen.

Ich habe schon drei Therapien durchlaufen. Heute möchte ich über die vierte Therapie schreiben, weil sie gerade aktuell ist und weil sie sich von den anderen im positiven Sinne unterscheidet.

Eine Grundvoraussetzung für eine gelungene Therapie ist das Vertrauen. Nur wenn ich der Psychologin (in meinem Fall) vertraue, kann ich mich öffnen. Vor allem bei Menschen mit einer Schizophrenie im Rucksack liegt eine große Verletzbarkeit (Vulnerabilität) vor. Damit geht ein hohes Maß an Angst, Unsicherheit und Misstrauen einher. Denn man hat in der akuten Phase Dinge wahrgenommen, die andere Menschen nicht wahrnehmen. In meiner aktuellen Therapie habe ich viele gute Erfahrungen machen dürfen, die es mir erleichtert haben, mich auf die Psychologin einzulassen. Davon möchte ich heute erzählen.

1. Atemübung. Anfänglich war ich sehr unsicher. Ich scannte jedes Mal unbewusst den Therapieraum auf mögliche Gefahren ab. Das hat nach ca. 6 Monaten nachgelassen. Nachdem ich Platz genommen hatte, führten wir jede Woche eine Atemübung über wenige Minuten durch. Die Psychologin leitete die Atemübung immer wieder mit neuen Worten an. Mein Kopf war jeweils neu herausgefordert, so dass meine Gedanken nicht abschweifen konnten. Diese feste Anfangsroutine zeigte mir Verlässlichkeit. Es hat mir sehr geholfen in dem Raum anzukommen, meinen Körper mit frischem Sauerstoff zu versorgen und mich selbst besser zu spüren. Ein großer Benefit aus meiner Sicht.

2. Anamnesefragebogen. Was mir aber in ganz besonderem Maße immer wieder das Herz geöffnet und den Fokus zurück in das Gespräch geholt hat war das Zitieren von Inhalten aus meinem Anamnesefragebogen oder aus einem Bericht zum Clearingverfahren. Dadurch fühlte ich mich von der Psychologin sehr gesehen, verstanden und abgeholt. Sie machte sich die Mühe und las (mehrmals), was ich einmal aufgeschrieben hatte. Ich begegnete mir demnach selbst. Das war sehr heilsam, vor allem wenn ich mich sehr „verloren“ fühlte. Beispielsweise sagte die Psychologin Sätze wie: „Dadurch dass Ihr Vater narzistisch war, haben Sie auch Beziehungen zu Männern geführt, die narzistische Strukturen aufweisen, denn es kommt Ihnen bekannt vor.“ Auch der Satzanfang: „Vor dem Hintergrund Ihrer Lebensgeschichte… ist es verständlich, dass Sie Angst haben. …ist verständlich, dass Ihnen das schwerfällt. …ist es eine große Leistung, was Sie alles geschafft haben.“

3. Psychoedukation am Flipchart. Psychoedukation finde ich in einer Therapie sehr wichtig. Mir wurde immer wieder Wissen vermittelt (z. B. die Funktionsweise der Amygdala unter Stress) und Zusammenhänge erklärt (z. B. zwischen Gedanken und Verhalten, über Gefühle, über die Krankheit). So konnte ich mich selbst besser kennenlernen, mich verstehen und annehmen wie ich bin. Dadurch nahmen dann Selbstverurteilungen sowie Scham- und Schuldgefühle ab… Oft wurden wichtige Punkte auf dem Flipchart notiert, um es besser zu veranschaulichen. Das hat mir geholfen den Ausführungen der Psychologin leichter folgen zu können. In den darauffolgenden Stunden wurde jedes Mal das große Flipchartpapier wieder aufgeschlagen. Ich konnte mich schnell wiederfinden und sehen, woran wir gearbeitetet hatten. Es holte mich schnell wieder ab und ich konnte den Fokus besser halten. Es löste ein Gefühl von Sicherheit aus. Es war etwas Vertrautes, was wir zusammen erarbeitet hatten.

5. Mitgebrachtes. Kleine Präsente, z.B. eine Figur oder ein Bild, welche ich der Psychologin mitgebracht hatte, wurden von ihr aufgehangen/ aufgestellt. Wenn ich manchmal in einem Gespräch abgedriftet war, hat mich ein Blick auf das Bild wieder zurück geholt.

6. Bunte Stühle – Anteilearbeit. Genau wie die Herangehensweise mit dem Flipchart ist auch die Arbeit mit verschieden farbigen Stühlen in der Therapie neu für mich gewesen. Um einzelne Persönlichkeitsanteile anschaulicher darzustellen wurden für jeden Anteil ein andersfarbiger Stuhl aufgestellt: gelb, orange und blau. Ich sollte mich dann auf den jeweiligen Stuhl setzen und aussprechen, was dieser Teil denkt und fühlt, die sogenannte Ego-state-therapy. Anteile können beispielsweise „das innere Kind“, „der innere Kritiker“, „der souveräne Erwachsene“ sein. Man schaut sich die Stühle auch noch einmal von Außen an. Es war anfangs schwer mich darauf einzulassen, aber ich konnte es immer wieder üben, so dass es jetzt immer besser klappt.

Neues Wissen und neue Erfahrungen verankern.

Diesen Beitrag widme ich meiner Psychologin. Vielleicht kann sie mit dieser Rückmeldung anderen an Schizophrenie erkrankten Menschen noch besser dabei helfen stabil zu werden, indem diese ihr schneller das Vertrauen schenken können. Vertrauen verbessert den Erfolg der Therapie enorm und es ist jedem Klienten zu wünschen.

Das Vertrauen und ein Gefühl von Sicherheit entsteht erst über eine längere Zeit des Kennenlernens. Die Begrenzung der zeitlichen Therapieeinheit empfinde ich als herausfordernd. Das ist die Schattenseite. Ehe man langsam „warm geworden“ ist beim Sprechen, neigen sich die 50 Minuten schon wieder dem Ende entgegen. Mein Rucksack ist wirklich prall gefüllt mit traumatischen Erfahrungen. Die Sehnsucht ist groß möglichst schnell aus dem Seelenleiden herauszuheilen. So war ich oft schnell frustriert. Doch wenn ich mir überlege wie lange ich mit diesem Gepäck schon auf der Erde wandle, ist es wohl ziemlich ungerecht zu erwarten, dass sich das Leiden in kurzer Zeit in Luft auflöst. So sehr ich mir das auch wünschte… Es ist aber auch gut für die Seele, wenn sie nicht allzu lange am Stück mit der Vergangenheit und der Arbeit daran konfrontiert ist. Die Seele braucht auch Pausen und Zeit für schöne Momente und Freude.

Zusatz I Fotos. Was mir während einer Kur einmal sehr gut gefallen hat, war der Einstieg einer Therapeutin in ein Gruppengespräch mit groß gedruckten Fotos von verschiedenen Motiven, z.B. Tiere, Heißluftballon, Menschen… Jede:r sollte sich 2 bis 3 Fotos heraussuchen und den Grund für die Wahl nennen. Das hatte mich auch sehr auf der emotionalen Ebene angesprochen. Ich hatte Zugang zu meiner Gefühlswelt, was ich als sehr angenehm und beruhigend empfand. Schnell fühlte ich mich sicher, weil ich gut „bei mir“ sein konnte. Verstand und Emotionen konnten hier gut ineinandergreifen, also Worte und Bilder.

Zusatz II Musik. Auch Musik ist ein Tor in die Gefühlswelt. Ich denke, wenn wir unsere Gefühle wahrnehmen, dann können wir heilen und alte Verletzungen auflösen. Manchmal bringe ich ein Lied mit in die Therapie und wir hören es uns zusammen an. Ich finde wieder mehr zu mir und kann mich besser entspannen. Eine Erfahrung mit kraftvoller klassischer Musik in der Klinik während der Musiktherapie hat mir wieder den Weg zurück ins Leben geebnet, als ich dort an einem Tiefpunkt war. Auch im Geräteturnen spielte für mich bei der Bodenkür die Musik eine große Rolle. Sobald meine Lied gespielt wurde, tauchte mein Körper sanft in den Rhythmus ein. Melodie und Rhythmus können uns eine gewisse Orientierung geben, wenn unser Gefühlsleben durcheinander ist. Musik kann uns beflügeln, erheben, beglücken und unseren Schmerz heilen.

Naturmusik: eine Sinfonie aus Licht und Schatten; aus Wasser, Luft und Erde; aus Wachsen, Verblühen und Aufkeimen. Eine Melodie des Wasserplätscherns und Blätterraschelns.