Eine romantische Kurzgeschichte

Sie lagen am Strand, mit geschlossenen Augen. Sie lauschten dem Wasser und spürten die warme Sonne auf ihren Gesichtern. Er zog sie noch ein Stückchen mehr an sich heran, um ihren Duft besser wahrnehmen zu können und sie näher bei sich zu haben. Sie mochte es über seine weichen, lockigen, dunklen Haare zu streichen und sein Lächeln auch mit geschlossenen Augen zu sehen.

Es hat sehr lange gedauert bis sie das Vertrauen in die Liebe und eine glückliche Beziehung wiedergefunden hatte. Lange konnte sie es sich nicht mehr vorstellen. Zu sehr hatte ihr Herz unter ihrer letzten Trennung gelitten. Wie sie feststellte, hatte sie einen Hang zu Männern, die keine gesunden Beziehungen führen konnten. Wie sollte sich das ändern? Ihre innere Schablone schien sie immer die gleichen Fehler machen lassen, die sie wohl aus Kindheitstagen mitbekommen hatte.

Doch dann sah sie ihn in einem Café vertieft in eine Zeitung. Es gab keinen freien Platz, nur der Stuhl neben ihm war frei. Normalerweise wäre sie weitergegangen, denn sie traute sich nicht jemanden anzusprechen. Aber dieses Mal blieb sie ruhig und entspannt stehen und fragte, ob der Platz noch frei wäre. Als er von der Zeitung aufschaute, sah sie in wunderschöne braune Augen. Jetzt wurden ihre Knie doch weich. Als er mit einem umwerfenden Lächeln bejahte, setzte sie sich schnell hin, bevor sie den Halt verlor.

Nun saß sie vor den wunderschönen braunen Augen und bekam kein Wort heraus. Zum Glück kam der Ober und sie konnte einen Kaffee ohne Koffein bestellen. Das Koffein hätte ihr Herz nur noch stärker schlagen lassen, aber auf den Geschmack wollte sie nicht verzichten. Er sagte: „Ein Kaffee ohne Koffein ist kein Kaffee!“ An seinem Akzent und seiner Aussage merkte sie, dass er Italiener war. Langsam brach das Eis zwischen den beiden. Sie fragte: „Woher kommen Sie? Was führt Sie nach Deutschland?“ „Wir können gerne ‚Du‘ sagen. Ich komme aus Rom und habe Medizin studiert. In Deutschland absolviere ich meine Facharztausbildung und bin im Krankenhaus als Assistenzarzt tätig.“ Seine Augen strahlten, als er davon sprach. Sie erzählte von ihrem abgeschlossenen Journalismusstudium und ihrer Arbeit bei einem deutschen Reportagemagazin. Ihr Gespräch wurde immer lockerer und lustiger. Sie lachten und aßen und tranken. Es wurde später, doch keiner wollte sich verabschieden. Am liebsten hätte sie die Zeit angehalten. Obwohl es schon längst dunkel geworden war, genossen beide die laue Sommerluft und die charmante Unterhaltung. Als das Café schließen wollte, schaute er ihr tief in die Augen und fragte fast schüchtern, ob sie mit ihm noch am Flussufer spazieren gehen würde. Sie musste nicht lange überlegen. Sie lächelte und freute sich über diese Idee. Sie liebte das Wasser. Die Sterne und der Mond leuchteten hell am Himmel. Die hübschen Laternen säumten das Ufer.

Plötzlich spürte sie seine Finger an ihrer Hand. Es kribbelte im Bauch und im Herzen. Sollte bei ihr tatsächlich wieder ein Schwarm Schmetterlinge eingeflogen sein? Sie legte ihre Hand in seine. Seine Hand war warm und weich. Sie fühlte sich nach Heimkehr an. Sie liefen schweigend am Ufer entlang und schauten auf das Wasser. Worte brauchte es in diesem Moment nicht.

Als es deutlich kühler wurde, spürten beide, das der Abschied nahte. Sie waren müde und brauchten Schlaf. Plötzlich sagte sie: „Ich muss jetzt gehen, aber ich würde Dich so gerne wiedersehen. Lorenzo würdest Du mir Deine Telefonnummer geben?“ „Susann, ja, auf jeden Fall. Ich möchte Dich auch unbedingt wiedersehen.“ Lächelnd tauschten sie ihre Handynummern aus. Zum Abschied hauchte er ihr einen sanften Kuss auf die Wange, bevor jeder seinen Weg nach Hause ging.

Das war zwei Monate zuvor der Anfang, für sie ein bedeutender und mutiger Neuanfang.

Jetzt hatten sie sich näher kennengelernt und festgestellt, dass sie viele gleiche Interessen teilten. Sie verbrachten so viel Zeit wie möglich miteinander. Gerne waren sie zusammen am Strand, so wie heute. Sie legte ihren rechten Arm nun auch um seinen Oberkörper und lauschte seinem Atemrhythmus während das Wasser am Ufer fröhlich plätscherte…

2 Kommentare zu „Eine romantische Kurzgeschichte

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