Affirmation #2: Hilfe heißt auch, andere stark sein zu lassen.

Affirmation #2

Es gibt einige Affirmationen, die mich wie kleine Rettungsanker im Alltag begleiten. Heute stelle ich die Nummer 2 vor (siehe Bild).

Wir helfen gerne. Wir unterstützen Menschen. Wir greifen Anderen unter die Arme und genießen das Gefühl gebraucht zu werden. Doch ist das, was wir geben auch das, was der Mensch braucht? Besteht die Hilfe manchmal nicht auch darin anderen dabei zuzusehen, wie sie Ihre Herausforderungen alleine bewältigen.

Hilfe heißt auch, Andere stark sein zu lassen.

Meine Psychologin erzählte mir vor Kurzem, dass hochsensible Kinder später am erfolgreichsten und glücklichsten waren, wenn die Eltern sie viele Erfahrungen haben selbst machen lassen.  In uns steckt viel Potenzial, das sich nur „ent-wickeln“ kann, wenn es es Raum dafür bekommt.

Hilfe besteht oft darin, dass wir Aufgaben abnehmen und denken, dass wir andere entlasten. Doch manchmal nehmen wir dem Menschen damit die Eigenverantwortung und die Selbständigkeit. Der Mensch wird abhängig und baut langsam bestimmte Fähigkeiten ab, weil er sie nicht mehr nutzt. Oder er bleibt in seiner Komfortzone ohne sich weiterzuentwickeln. Dabei ist genau das Gegenteil wünschenswert.

Mein Vater hatte viele Probleme und ich versuchte ihn gut zu unterstützen, was viel Kraft kostete. Eines Tages meinte eine Sozialpädagogin zu mir, dass ich ihm damit die Möglichkeit nehmen würde, sich selbst um seine Angelegenheiten zu kümmern… Hilfe heißt auch Andere stark sein zu lassen.

Als ich selbst in einer Krise steckte und kurzzeitig bei meiner Mutter lebte, übernahm sie viele Haushaltsaufgaben. Sie wusch meine Wäsche, bereitete Essen zu und machte alles alleine sauber. Sie wollte mir den Rücken frei halten, damit ich schnell eine neue Wohnung finden und wieder auf eigenen Beinen stehen konnte. Der Ansatz ist durchaus fürsorglich. Andererseits fühlte ich mich nutzlos und konnte nichts zum Gemeinwohl beitragen. Im Nachhinein hätte es mir gut getan, wenn ich mich am Haushalt hätte beteiligen können. Es hätte mein Gefühl der Selbstwirksamkeit gestärkt… Hilfe heißt auch Andere stark sein zu lassen.

Es bedeutet allerdings nicht, dass man jede Hilfestellung besser sein lassen sollte. Es ist eher gemeint, dass man dem Anderen seinen Raum lässt und ihn genauer beobachtet: was schafft der Mensch alleine, was kann er selbst – macht es aber ungern und gibt es deshalb ab? Es ist die Frage nach dem richtigen Maß. Oft ist es auch die Hilfe zur Selbsthilfe, die den Anderen selbstständig bleiben oder werden lässt.

Menschen in Seniorenheimen, die damit betraut wurden sich um eine Zimmerpflanze zu kümmern, waren ausgeglichener, gesünder und lebten meist länger. Es heißt ebenso: „Gib‘ dem Kind eine Aufgabe.“ Es macht Kinder stark und stolz, wenn sie diese geschafft haben. Sie fühlen sich wichtig und können sich in die Gemeinschaft (die Familie) einbringen.

Affirmation #2: „Hilfe heißt auch, Andere stark sein zu lassen.“

Fällt jemandem vielleicht eine Situation ein, wo einmal weniger Unterstützung zu mehr Selbstwirksamkeit führen würde?

Alles Gute wünscht Theia 🌙

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