Vielleicht mag es unserem Ego nicht gefallen, aber wir sind soziale Wesen. Es geht uns gut, wenn wir mit freundlichen Menschen zusammen sind.
Wir müssen schwierige Situationen nicht allein meistern. Wir dürfen Hilfe annehmen. Und genau das fällt uns manchmal so schwer. Das Ego stirbt einen kleinen Tod, wenn wir etwas nicht aus eigener Kraft schaffen. Aber vielmehr leidet die Lebensqualität wenn wir uns nicht im rechten Moment unterstützen lassen.
Wenn ich mir Unterstützung suche, dann fühlt sich ein Teil von mir minderwertig. Zum Glück habe ich schon mehrfach korrigierende Erfahrungen machen dürfen, die genau das Gegenteil bewirkt und zum Erfolg geführt haben.
Im Studium haben wir uns im Freundeskreis immer wieder beim Lernen unterstützt. Im Diplomsemester habe ich mir Hilfe beim Sozialpsychiatrischen Dienst für mentale Stärke geholt. Nach dem Studium fand ich nicht gleich einen Job und habe über das Arbeitsamt bei einem Bewerbertraining mitgemacht. Die Trennung und die letzten 2 Jahre habe ich mit Unterstützung meiner Psychologin, Neurologin und der familientherapeutischen Beratung gut bewältigen können. Das klingt vielleicht zunächst irritierend, aber das ist es sicher nicht. Ich habe nach 9 Jahren in meinem Job die Position im Management erreicht, die ich wollte. Trotz eines schweren Autounglücks in meiner Familie vor 20 Jahren, fahre ich seit einigen Wochen mein erstes Auto. Ich bin so stolz.
Unterstützend finde ich jedoch auch indirekte Angebote wie gute Podcasts und Bücher zu den Themen Selbstverwirklichung und Traumaheilung. Wir müssen unsere Probleme nicht allein lösen. Wir dürfen uns helfen lassen. Gemeinsam sind wir stark.
Hinter jedem starken Menschen steht ein starkes Netzwerk. Ich danke allen Menschen, die mich bisher persönlich oder indirekt begleitet haben.
Alles Gute für all diese Menschen und die Leser, wünscht Theia 🌙
Manch einer kennt diese Affirmation aus dem Buch von Bärbel Mohr „Bestellung beim Universum“. Ich habe es vor ca 20 Jahren gelesen und dieser Satz ist mir in Erinnerung geblieben. Mit diesen Worten ist es mir möglich mein Nervensystem wieder zu beruhigen, wenn das emotionale Stresslevel steigt.
Mein Kind ist wütend, frustriert oder ganz wild? „Friede sei mit Dir!“ … und ich kann seine Gefühle besser zulassen.
Ein Kollege hat mich auf persönlicher Ebene verletzt? „Friede sei mit Dir!“
Ein Autofahrer nimmt mir vor der Nase den Parkplatz weg? „Friede sei mit Dir!“
Wie Bärbel Mohr es beschreibt, gelingt einem mit diesem Satz eine Wendung in der Denk- und Sichtweise. Das Gegenüber wird nicht mehr als ‚das Böse‘ wahrgenommen. Nein. Man sieht es wieder als Mensch mit seinen eigenen Problemen und Sorgen. Mitgefühl und Empathie sind wieder möglich… Aus Distanz kann wieder Nähe entstehen.
Mein Kind wurde gerade eingeschult. Es war ein aufregendes und schönes Ereignis. Ich merke erst jetzt sehr bewusst wie sehr ich mich davor verstecken wollte, es verdrängen wollte.
Wie ich oft gelesen habe, können uns die Phasen in denen sich unser Kind befindet alte Erinnerungen und Gefühle hervorrufen.
Wie ich schon in vorherigen Beiträgen geschrieben habe, durchlebte ich 5 Traumata. Eines davon hängt mit der Einschulung zusammen. Da diese Gefühle gerade aktiv sind, versuche ich auf vereinfachte narrative Therapie (Therapie durch Schreiben) mit diesem Beitrag meine Gedanken und Eindrücke zu sortieren und zu verarbeiten.
Mehrere Wochen vor der Einschulung bekam ich Mumps auch Ziegenpeter genannt. Bei mir wurde es jedoch so schlimm, dass ich nichts mehr essen und trinken wollte. Vielleicht hing es mit der Kur zusammen, die ich einige Zeit zuvor allein für mehrere Wochen besucht hatte. Grund war mein etwas geringes Körpergewicht, welches noch während der Kindergartenzeit verbessert werden sollte. Hinzu kam ein Umzug, zwar innerhalb des Ortes, aber meine Kitafreunde gingen in eine andere Schule.
Da es mir so schlecht ging, brachten mich meine Eltern ins Krankenhaus. Die Ärzte stellten eine Meningitis, also eine Hirnhautentzündung fest. Ich musste im Krankenhaus bleiben und kam wegen der hohen Ansteckungsgefahr in ein Quarantänezimmer. Mir wurde zwei Mal Rückenmark entnommen. Es ging mir überhaupt nicht gut. Ich lag den ganzen Tag allein in einem Zimmer und konnte mich kaum bewegen. Meine Ma kam mich besuchen. Sie las mir Geschichten vor. Das habe ich geliebt. Meine Tante aus Berlin brachte mir einen kleinen Spielkoffer mit. Doch ich aß nichts und trank nichts und wurde immer schmächtiger und schwächer. Als meine Ma Erdbeerkuchen mitbrachte siegte mein Appetit. Ich begann ihn zu essen. Meine Ma brachte nun regelmäßig Erdbeeren mit, auch aufgebaute Erdbeeren, die am Sommeranfang geerntet wurden. So kam ich langsam wieder zu Kräften und zurück ins Leben. Ich war nicht sicher ob ich zur Einschulung gehen konnte. Doch nach 8 Wochen durfte ich endlich nach Hause gehen. Ich durfte schon mein Einschulungskleid am Entlassungstag anziehen. Meine Ma überraschte mich mit einem ganz besonderen rosafarbenen Kleid. Ich fühlte mich wie eine kleine Prinzessin.
Am Einschulngstag durfte ich an der Feierstunde teilnehmen. Für ein Foto durfte ich kurz meine Schultüte halten. Sie war mit Hase und Wolf bedruckt. Danach musste ich mich wieder ins Bett legen. Erst nachdem die Schule schon 14 Tage begonnen hatte, durfte ich zur Schule gehen. Ich war über alle Maßen aufgeregt und hatte große Angst den Anschluss nicht zu schaffen. Doch diese Angst war unbegründet. In meinem ersten Zeugnis am Ende des Halbjahres standen überall Einsen. Sogar in „Ordnung“ und „Fleiß“… Die Erste-Klasse-Motivation halt 🙂
Es war eine schwierige Zeit, doch ich konnte die anfänglichen Nachteile recht schnell wieder ausgleichen. Ende der zweiten Klasse durfte ich in eine sprachbegabten Schule wechseln.
Heute bin ich froh, dass Kinder mehrere Wochen Kur oder Krankenhaus nicht mehr alleine aufsuchen müssen. Es war eine sehr einsame aber dafür auch sehr ruhige Zeit.
Gab es in Deiner Kindheit auch schwierige Situationen in denen Du Dich einsam gefühlt hast? Wie bist Du damit umgegangen?
Ich sammle gerne am Ufer schöne Steine. Es ist für mich erholsam, entspannend und fühlt sich an wie eine Meditation. Am liebsten sammle ich die Steine mit meinem Kind. Dann können wir gegenseitig unsere „Schätze“ bestaunen. Erstaunlich wie farbenfroh die Steinwelt ist ….
Mein Sohn hat neulich seine Buntstifte neu sortiert und es fotografiert. Das Bild finde ich so schön, dass ich es für einen Blogbeitrag verwenden möchte.
Farben lassen unser Leben bunter werden. Sie helfen uns auch dabei unsere Gefühle auszudrücken, z.B. über unsere Kleidung. Sie spiegeln uns auch über die Wandfarben in unseren Zimmern, die Farbe des Autos/ Fahrrades, die Farben unseres Essens u.v.m.
Ich habe einige Zitate von berühmten Menschen zum Thema Farbe herausgesucht, die mir gut gefallen haben. Sie stammen von der Website http://www.gutzitiert.de
Viel Freude beim Lesen und beim heutigen Wahrnehmen der Farbenwelt um Dich herum. Theia 🌙
Ein Studium ist ein anspruchsvoller Lebens- und Entwicklungsabschnitt. Es war die beste und herausforderndste Zeit meines Lebens. Gerade mit der Krankheit im Gepäck war es sehr anspruchsvoll. Und deshalb bin ich besonders stolz gewesen, als ich mein Diplom mit einer Note von 1,9 in den Händen hielt.
Studieren mit Handicap
Bist Du gesundheitlich eingeschränkt und möchtest studieren? Oder Du kennst jemanden, der mit einem Handicap studieren möchte? Dann findest Du hier einige Punkte zusammengefasst:
1. Bewerbung um Studienplätze.
Wer sich mit einer Behinderung oder chronischen Krankheit für einen zulassungsbeschränkten Studiengang (Numerus Clausus, kurz NC) bewerben möchte, der hat die Möglichkeit, die Chance auf eine Zulassung an der Hochschule zu verbessern. Dafür stehen verschiedene Sonderanträge zur Verfügung (siehe Bild):
Quelle: Website einer HochschuleQuelle: Website einer Hochschule
Erst zum Ende des Studiums habe ich vom Vorsitzenden des Prüfungsausschusses erfahren, dass meine eingegangene Studienplatzbewerbung einschließlich der Sonderanträge A und D, damals im Gremium diskutiert wurde, ob eine Aussicht auf einen erfolgreichen Studiumabschluss bestünde. Das Abschlusszeugnis gibt ihrer Entscheidung recht.
2. Facharzt/ Therapeuten am Studienort finden
Wenn man nicht am Wohnort studiert, ist es wichtig einen Facharzt Vorort zu finden. Der Facharzt ist ein wichtiger Ansprechpartner für Medikamente und Atteste.
3. Prüfungzeiten Verlängern
Studierende dürfen ihre durch Behinderung oder chronische Krankheit bestehenden Nachteile im Prüfungsgeschehen aufzeigen und durch entsprechende Hilfen ausgleichen lassen.
Es muss ein Antrag auf „Nachteilsausgleich im Prüfungsverfahren“ gestellt werden. Der Ausgleich wird individuell gewährt, angemessen an den jeweiligen Benachteiligungen. Für die Beantragung ist es unerheblich, ob die Beeinträchtigung amtlich festgestellt ist (kein Grad der Behinderung erforderlich).
Der Facharzt kann ein Attest zur Verlängerung der Prüfungszeit ausstellen in Prozent oder in Zeiteinheiten. Bei mir waren es 30% der Prüfungszeit, die ich länger für die Prüfungen zur Verfügung hatte. Dieses Attest sollte vier Wochen vor Beginn des Prüfungszeitraumes Prüfungsausschusses der Fakultät eingereicht werden. Das ist auch relevant für die Planung der Prüfungsräume, die dann länger belegt sein werden.
Es kann auch helfen, einige Prüfungen in den Nachprüfungszeitraum (Beginn des Folgesemesters) zu verschieben. Manchmal sind es sehr viele Prüfungen am Semesterende.
4. Mental stärken
Ein Studium bringt ein enormes Stresslevel mit sich. Die vielen Fächer, Praktika und Prüfungen wollen gut bewältigt werden. Wenn das Nervenkostüm stark belastet ist, ist eine begleitende Verhaltentherapie oder Gespräche beim Sozialosychiatrischen Dienst zu empfehlen. Das klingt im ersten Moment vielleicht etwas erschreckend, doch diese Termine helfen dabei die Gedanken zu sortieren und dem Nervensytem sich zu regulieren.
Ich habe beides genutzt. Zunächst war ich bei einem Verhaltenstherapeuthen. Meine Neurologin hatte es mir wärmstens empfohlen. Als das Zeitkontingent nach mehreren Verlängerungen zu Ende ging, suchte ich eine Sozialarbeiterin auf. Die Gespräche haben mir sehr viel Kraft gegeben und mich motiviert auf der Zielgeraden des Studiums zu bleiben.
5. Hochschulsport, Natur und Vitamine
Es gibt ein großes Sportangebot an den Hochschulen, welches zu besonders günstigen Semesterbeiträgen genutzt werden kann. Bewegung ist ein guter Ausgleich zu den vielen Vorlesungszeiten (je nach körperlichen Vorraussetzungen). Mir haben Yoga, Tanz- und Stepaerobic am besten gefallen.
Auch Zeit in der Natur zu verbringen, macht den Kopf wieder klar und aufnahmefähig: ein Spaziergang oder Sitzen an einem Gewässer mit dem Blick auf die reflektierende Wasseroberfläche.
Als meine Kräfte sehr verbraucht waren, habe ich mich entschieden eine Vitamin B Kur zu machen. Eine Allgemeinärztin verabreichte mir einmal pro Woche eine kleine Vitamininjektion in für ca 10 Wochen.
5. BaFöG zwei zusätzliche Semester
Wenn man BaFöG bezieht, dann darf man sich freuen. Bei außergewöhnlichen Belastungen bekommt man auch nach der Regelstudienzeit bis zu zwei weitere Semestern die staatliche Unterstützung. Falls man sich im Studienbeirat oder Fachschaftsrat engagiert, erhält man noch ein zusätzliches Semester BaFöG hinzu.
Mein Weg durch das Studium
Das Studium hat mich an meine Grenzen gebracht und mich über mich hinauswachsen lassen. Ich habe mir ein Ziel weit außerhalb meiner Komfortzone gesetzt. Und ich habe es erfolgreich abgeschlossen, was das Selbstwertgefühl gestärkt hat. Es gab auf diesem Weg viele Tiefpunkte. Ich war mit 18 Jahren an Schizophrenie (chronische Erkrankung) erkrankt und hatte mit 23 Jahren einen Rückfall. Beide Male musste ich viele Wochen in einer Klinik behandelt werden. Es war eine furchtbare Erfahrung, bei der man seinen eigenen Sinnen, für eine begrenzte Zeit, nicht trauen konnte.
Mit diesem Handicap zu studieren, war eine große Herausforderung. Kurz vor Ende des Grundstudiums war bereits das Stresslevel so hoch, dass meine Medikamente nicht mehr gewirkt haben. Mir ging es seelisch sehr schlecht, ich kam kaum noch aus dem Bett und verschlief auch schon mal eine Prüfung.
Mit der Neurologin wurde ich auf ein anderes Medikament umgestellt, was in dem Zustand gar nicht so einfach war. Gleichzeitig wurde ich von einem Psychologen mit einer Verhaltenstherapie begleitet. Leider wirkte das neue Medikament auch nicht. Ich dachte über ein Urlaubssemester nach. Da ich an einer Hochschule studiert habe, hätte ich ein ganzes Jahr, also 2 Urlaubssemester pausieren müssen, um wieder einsteigen zu können. Doch wir waren der letzte Diplomstudiengang bevor das Bachelor-Mastersystem eingeführt wurde. Also hieß es Durchhalten oder Aufhören.
Ich war kurz davor das Handtuch zu werfen. Doch mein damaliger Lebensgefährte hat mir verbal „in den Hintern getreten“ und Druck ausgeübt, dass ich am Ball bleiben solle. Es war im ersten Moment sehr schwer auszuhalten. Doch am Ende des Studiums und heute bin ich dankbar dafür. In den Semesterferien bin ich in eine Tagesklinik gegegangen und habe mich erneut auf ein neues Medikament einstellen lassen. Es war eine Empfehlung der Neurologin. Die Wahl fiel auf ein Medikament, welches auch in der Schwangerschaft eingenommen werden darf, was sich später als Segen erwies als ich Mutter wurde. Meine Kommilitonen verbrachten die Semesterferien mit Reisen oder Arbeiten. Ich saß in einer Tagesklinik. Zum Glück hatte dieses Mal alles gut geklappt und nach anfänglichen Schwierigkeiten kam ich mit dem neuen Medikament sehr gut zurecht. Es hatte auch antidepressive Wirkanteile. Ich lachte wieder sehr viel und hatte wieder richtig guten Appetit.
Das Diplomsemester war noch einmal herausfordernd. Da ich das Praxissemester wiederholt hatte (eine gute Übung), war ich das 3. Semester über der Regelstudienzeit. Deshalb gab es nun kein Bafög mehr. Ich verdiente Geld mit Schülernachhilfe. Es war eine sehr interessante und lehrreiche Erfahrung, die mir auch viel Spaß gemacht hatte. Als ich nach vielen Wochen harter Arbeit die gedruckte Diplomarbeit in den Händen hielt, war ich sehr froh und übergab sie mit einem Gefühl der Erleichterung. Es folgte eine kleine Reise zur Belohnung und Entspannung. Dann hieß es noch einmal alle Kräfte zusammen nehmen und die Verteidigung vorbereiten. Zur Verteidigung kamen Freunde und Familie. Als ich endlich meine Präsentation beendet und alle Fragen beantwortet hatte, war ich stolz und ehrlicher Weise sehr ausgepowert. Mein Prof hielt noch eine kurze anerkennende Ansprache zu meinem Weg durch das Studium. Ich war sehr gerührt. Das Studieren an unserer kleinen Hochschule war sehr familiär. Man konnte jederzeit mit den Profs sprechen und hatte ein enges Miteinander mit den Kommilitonen. Es gab einen eher schulischen Rahmen für die Fächer und viele Praktika. Der Dekan meines Fachbereichs hatte auch ein sehr wertschätzendes Schreiben für das Bafögamt erstellt, damit ich aufgrund von außergewöhnlichen Belastungen auch im 2. Semester über der Regelstudienzeit Bafög erhalte.
Der gute Studienabschluss hat mir ermöglicht einen sehr gut bezahlten Teilzeitjob in einem sehr begehrten Wirtschaftszweig zu bekommen. Die harte Arbeit hat sich gelohnt. Ich hatte aber auch sehr viel Spaß und hatte viele tolle Menschen kennengelernt. Letztes Jahr habe ich mit meinem Kind am Studienort Urlaub gemacht. Ich habe auch meinen Prof und die Dozentin besucht, die mich im Diplomsemester begleitet haben. Ich war ihnen gegenüber sehr dankbar.
Wer mit Handicap studieren möchte, dem wünsche ich viel Mut. Es gibt viele Menschen, die unterstützen können. Wer eine Frage hat, kann sie gern in die Kommentare schreiben. Ich antworte gern.