Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit by Theia Moon

Heute schon an Morgen denken. Das ist auch bei psychischen Erkrankungen wie z. B. Schizophrenie sehr wichtig. Wenn ich heute gut für mich sorge, wie beispielsweise regelmäßig ausreichender Schlaf (ca 8 Stunden), dann bin ich ausgeglichener, entspannter, erfolgreicher im Job, weil ich mich besser konzentrieren kann und liebevoller im Umgang mit meinem Kind, weil ich geduldiger bin.

Auch ein gutes Stressmanagement ist hilfreich: Stressquellen möglichst entfernen und Dinge tun, die einem Freude bereiten.

Stressquellen können Rauchen, große Menschenmengen, zu viel Kaffee, zu wenig Geld, Alkohol, zu viel Zucker, Reizüberflutung, Menschen die einem nicht gut tun Bewegungsmangel oder zu hoher Druck im Job sein.

Ich konzentriere mich mit meiner Therapeutin immer wieder auf die Bewältigungssäulen, die die Widerstandskraft/ Resilienz im Alltag erhöhen können. Denn ich habe gelernt, dass es wichtig ist seine Bewältigungsmechanismen zu kennen, damit man in schwierigen Situationen bewusst auf sie zugreifen kann. Über diese Mechanismen kann man seine Gefühle, seine Gedanken, ja sein ganzes Nervensystem regulieren, wenn man im roten Bereich ist.

Es ging mir einige Zeit gar nicht gut. Jetzt komme ich langsam wieder in den grünen Bereich, weil die Medikamenterhöhung wirkt. Morgens kam ich wirklich schwer aus dem Bett. Es war jeden Tag ein Kampf. Die Freude fehlte und der Ausblick auf den anstrengenden Alltag war weniger aufmunternd. Ich fühlte mich sehr niedergeschlagen, antriebs- und kraftlos. Ich schwankte zwischen dem negativen Gefühl von „gestresst sein“ und dem positiven Gefühl von „gebraucht werden“. Ich fühle mich dick und unansehnlich, denn durch die Medikamente steigt der Appetit und damit auch das Gewicht. Doch ich habe einige Tools, die mir durch solch eine Zeit helfen, den Rücken stärken und mich auf dem Weg zurück in den grünen Bereich begleiten. Gegen den erhöhten Appetit hilft zum Beispiel Mariendistel sehr gut und sie stärkt auch die Leber (Apotheke oder wo es sonst Nahrungsergänzungsmittel gibt).

NACHHALTIGKEIT 🌱  🔜  🌳
DURCH DIE BEWÄLTIGUNGSSÄULEN 🏛 DER SELBSTFÜRSORGE

Bewältigungssäulen by Theia Moon

ERNÄHRUNG: Ausreichend Trinken, am besten Wasser, Saftschorle oder Tee. Das ist besonders wichtig, wenn Medikamente eingenommen werden. Frisches Obst und Gemüse essen schenkt wertvolle Energie und versorgen den Körper mit Mineralstoffen und Vitaminen. Z. B. Bananen haben viel Kalium und B-Vitamine und sättigen gut. Möhren sind gesund und auch gut für die Zähne. Heutzutage gibt es viele Smoothies etc, so dass unser Gebiss weniger feste Lebensmittel kauen kann. An apple a day keeps the doctor away, Äpfel gibt es bei uns fast immer.

INNERES GLEICHGEWICHT: Morgens gönne ich mir 10 Minuten Yoga um meinen Geist und Körper langsam und behutsam aufzuwecken. Seit ich vor ca. 2 Jahren starke Rückenschmerzen bekam, habe ich damit begonnen und war schnell und anhaltend wieder fit. Yoga ist aber viel mehr: der Fokus richtet sich hier auch auf die Atmung, man bekommt mehr Sauerstoff und nimmt den eigenen Atemrhythmus wieder wahr. Bewegung und Atmung sind fest miteinander verbunden und gelangen wieder in Einklang. Yoga unterstützt auch dabei Selbstdisziplin zu finden. Der Sonnengruß ist eine feste Abfolge von Asanas (Positionen), die im Flow hintereinander durchlaufen werden. Diese Struktur wirkt sich positiv auch auf andere Lebensbereiche aus. Wir erkennen andere Abläufe im Alltag sowie deren Notwendigkeit an, z. B. unsere Morgenroutinen. Letztlich fördert Yoga die Achtsamkeit, das Körpergefühl und das Selbstbewusstsein. Haltungsblockaden können sich lösen, der Körper wird wieder bewusst wahrgenommen, die tiefliegenden Muskeln werden trainiert und die Faszien gelockert. Ein aufgerichteter Körper führt zu einem aufgerichteten Geist und somit zu mehr Selbstvertrauen. Auch geführte Meditationen helfen dabei innerlich ruhig zu werden und zu entspannen. Sie enthalten positive Affirmationen/ Sätze, die den Geist stärken und in unserem Unterbewusstsein schlechte Glaubenssätze durch gute Gedanken ersetzen. Auch sanfte harmonische Klänge oder die Lieblingstanzmusik helfen dabei sich zu stabilisieren und auszubalanzieren. Die Natur kann uns ebenso Ausgleich ermöglichen. Am liebsten bin ich an Flüssen oder Seen. Ich mag das Plätschern des Wassers, die Enten und Schwäne und auch die Boote. Im Wald sind die Bäume miteinander vernetzt und steuern darüber ihr gemeinsames Immunsystem. Das wurde nun auch wissenschaftlich bewiesen. Gehen wir Menschen in den Wald, dann können wir uns mit diesem Immunsystem verbinden. Deshalb fühlen wir uns in der Natur meistens sehr wohl.

UMFELD: Ich finde es immer wieder schön, gebraucht zu werden. Das steigert das Selbstbewusstsein und die Selbstwirksamkeit. Wenn ich etwas geben kann, bin ich zufriedener mit mir und fühle mich mit meinem Umfeld verbunden. Auch einen Rahmen für den Tagesablauf zu haben empfinde ich als hilfreich. Die Struktur gibt Sicherheit, Verlässlichkeit und Vorhersagbarkeit. Ich weiß, dass an alles gedacht ist, was wichtig für mich ist. Wissen ist für mich auch eine bedeutende Bewältigungssäule. Wenn ich mehr über Trauma, Schizophrenie oder toxische Menschen lerne, desto mehr nimmt es den Schrecken davor. Das Lernen ist für mich ein Bestandteil auf meinem Heilungsweg. Auch andere Menschen können uns gut tun. Sie helfen uns dabei, dass wir unsere Gefühle und Gedanken aus der Vergangenheit besser regulieren können. Einfach gesagt: ein gutes Gespräch mit einem Freund/ einer Freundin kann uns sehr gut tun und einen neuen Blick auf die Dinge schenken. Und auch eine Umarmung ist natürlich sehr wohltuend.

Die Bewältigungssäulen, die v.a. Betroffenen dabei helfen können wieder in einen grünen Bereich zu kommen, brauchen etwas Zeit um zu wirken. Es ist ein (Lern-) Prozess und es lohnt sich diesem Prozess eine Chance zu geben.

Ruhe und Gelassenheit

Es ist gerade sehr laut „im Außen“. Der Job verlangt momentan viel ab. Zudem versuche ich mich über die Bundestagswahl zu informieren. Während ich dem Triell im Außen lausche, versuche ich innerlich ruhig zu werden. So ist diese Skizze entstanden… 🙂

Wie findet Ihr zur Ruhe?

Vertrauen Sie Ihrer Intuition

(*** Triggerwahrnung! ***)

„Vertrauen Sie Ihrer Intuition.“ Diesen Satz habe ich in dieser Woche wieder einmal gesagt bekommen. Jedoch ist es leichter gesagt als getan.

Für Betroffene ist dieser Satz manchmal wie ein Schlag ins Gesicht, auch wenn es keinesfalls so gemeint ist.

Betroffene Menschen, die eine akute Phase erlebt haben, haben eine beängstigende Zeit voller Unsicherheit erlebt, die kaum ein Außenstehender nachempfinden kann.

Als ich damals in der Klinik gewesen bin, habe ich Dinge gesehen, gerochen und gefühlt, die nicht real waren (Wahnvorstellungen). Ich konnte für eine bestimmte Zeit meinen eigenen Sinnen nicht trauen. Dies hat eine solch erschütternde Auswirkung auf das Selbstvertrauen und das gesamte weitere Leben wie man es sich kaum vorstellen kann…

Beispiele:
Ich bin Spazieren gegangen. Es lag ein großer Zweig auf dem Weg. Ich hatte große Angst daran vorbei zu laufen. Dieser Zweig hatte aus meiner Sicht eine versteckte Bedeutung, die ich unbedingt entschlüsseln musste als ginge es um Leben und Tod. Es gab aus meiner Sicht einen wichtigen Grund warum dieser Zweig gerade jetzt dort lag. Ich starrte ihn wie hypnotisiert an und bewegte mich keinen Schritt weiter. Zwischen dem Zweig und mir lag eine unüberwindbare Spannung. Wie zur Salzsäule erstarrt stand ich da. Nur durch die Hilfe eines anderen Patienten, der mich beruhigte indem er nachfragte und erklärte, dass dies einfach nur ein Zweig sei den der Wind vom Baum geweht hatte, konnte ich weitergehen.

Ein anderes Erlebnis hatte ich mit einem Vogel, der öfter vor dem Fenster auf einer Laterne saß. Es sah für mich so aus als hätte er eine Antenne auf dem Kopf. Ich dachte, dass der Vogel mich verfolgen und Videoaufnahmen von mir machen würde. Das war schon beängstigend.

Reinigungsschwamm mit Spülmittel

Ganz unheimlich fand ich es als in der Patientenecke TV gesehen wurde und eine Fernsehwerbung für Spülmittel lief. Auf einen Schwamm, der wie eine Scheibe Weißbrot aussah, ließ man das blaue Spülmittel fließen so dass es wie ein Aufstrich aussah.

Am nächsten Morgen beim Frühstück bekam ich Angst vergiftet zu werden als es Weißbrot mit Marmelade gab. Ich nahm an, dass die Medikamente meine Sinne verfälschten und mir vorgaukelten, dass ich Brot mit Marmelade esse, obwohl es in Wirklichkeit ein Schwamm mit Spülmittel war. (Ein wenig wie in dem Film Matrix.)

Ich dachte, dass wir Patienten vom Klinikpersonal getäuscht und vergiftet würden. (Im zweiten Weltkrieg sind ja einige Menschen mit Behinderungen umgebracht worden.) Das war sehr gruselig, weil ich mich nicht mehr traute etwas zu essen. Gleichzeitig hatte man keine vertraute Person um sich, die man hätte fragen können und der man auch hätte glauben können, wenn sie sagt, dass es sich tatsächlich um Brot und Marmelade handelte. Das medizinische Personal oder andere Patienten können diese Rückversicherung in einem bestimmten Stadium der Erkrankung nicht vollumfassend geben. (Ich habe den Schwamm mit Spüli einmal „nachgebaut“, siehe Foto.)

Ich begreife es als großes Glück, dass es heutzutage Medikament gibt, die diesen akut-psychotischen Zustand (in den meisten Fällen) beenden können. Mir haben sie geholfen wieder zurück in ein (fast) normales Leben zu finden.
Auch heute nehme ich Medikamente, v.a. in der anspruchsvollen Corona-Zeit.

Diese erwähnten Sinneserfahrungen hinterlassen jedoch ihre Narben.
– Narben, die heilen wollen.
– Narben, die sehr weh tun können.
– Narben, die das Selbstvertrauen beeinflussen.
– Narben, die behandelt werden können.

Ich bin froh, dass ich eine sehr gute Neurologin habe. Sie sagt, dass jeder einzelne Tag, den man nach einer akuten Phase erlebt ein guter Tag ist. Ein Tag, der Schritt für Schritt in ein normales Leben zurück führt und die Narben heilt. Bei mir ist es jetzt mehr als 15 Jahre her. Ich konnte bereits eine gute Resilienz (Wiederstandskraft) aufbauen, die jeden Tag ein klein wenig besser wird.

Ich habe bewusst von eher leichteren Beispielen berichtet. Menschen, die betroffen sind haben sicher (genauso wie ich) auch unangenehmere Erfahrungen gemacht.

Seid milde mit Euch und begegnet Euch mit Wohlwollen, wenn an Eure Intuition oder Euer Selbstvertrauen appelliert wird. Es ist herausfordernd.
Und doch gibt es ein kleines Pflänzchen „Selbstvertrauen“ im Inneren, dass Stück für Stück, Tag für Tag größer wird. Es steckt in uns ein tief verwurzeltes Urvertrauen. Es ist unserer unversehrter Selbstwert, welcher nie verletzt wurde. Wir dürfen uns an diesen Teil erinnern. Wir dürfen ihn pflegen, versorgen und wachsen lassen. Dieser Teil ist nie berührt worden. Er ist immer da. Er ist unser Lebensfunke. Tief in uns. Geschützt und behütet. Durch diesen versteckten Teil sind wir immer noch hier.

Podcast Empfehlung:

Wer gerne mehr über den unversehrten Selbstwert erfahren möchte, dem empfehle ich die Podcastfolge von Verena König: „Erkenne die Kraft Deines Selbstwertgefühls // Podcast #52“ –>https://www.youtube.com/watch?v=unpWdn3jGKE
Verena König klärt in ihren Beiträgen über die Entstehung und die Auswirkungen von Traumata auf und stellt verschiedene Lösungsstrategien vor.
Ein Reinhören lohnt sich.

Eine kleine Geschichte: Das Eichenblatt auf Abwegen

Es war Frühling und die Tage wurden langsam wieder wärmer. Die Sonne schien auf die große starke Eiche. Während sie ihre Wurzeln fest in der Erde verankert hatte, streckte sie ihre kraftvollen Äste in den Himmel. Die ersten Knospen begannen zu sprießen. Es dauerte nicht lange bis die Eiche in ihrem frischen, grünen Blätterkleid erstrahlte.

Eine Eiche by Theia Moon

Es war ein kleiner, zarter Ast, der einen wild brausenden Windstoß abbekam. Er rüttelte so sehr an dem Ast, dass sich ein zartes Blättlein davon löste. Es war etwas dünner als die anderen und konnte sich dieser Kraft nicht erwehren. Der Wind blies das Blättlein hoch und höher hinaus, dass es flog wie ein Vögelein.

So schön das Schweben auch war, so wusste das Blättlein doch das etwas nicht stimmte. Es war noch viel zu früh gewesen um von Mutter Eiche und seinen Blattgeschwistern getrennt zu werden. Das Blättlein war noch viel zu klein und verletzlich. Es hatte noch keine Zeit gehabt sich zu entwickeln und heranzureifen. Es hatte auch noch nicht seine ihm zugedachte Aufgabe und Bestimmung erfüllen können: Luft aufnehmen und mit dem grünen Farbstoff der Blätter im Tageslicht aus Luft und Wasser die Nahrung für den Baum zu bereiten.

Es war viel zu früh. Es war viel zu viel Wind. Es gab zu wenig Sicherheit.
Hatten die Sonne und der Mond nicht eine Geschichte geflüstert von einem bunten Farbenkleid der Bäume im warmen Herbst? Erzählten sie nicht davon, dass die Eichen ihre braunen Blätter sogar noch bis in das Frühjahr hinein tragen würden?

Doch nun schwebte das gelöste Blättlein einsam durch die Luft. Es gab keinen Halten mehr. Das Eichenblatt war nicht mehr über die Wurzeln mit dem versorgenden Erdreich verbunden. Es fühlte sich schrecklich allein und hilflos. Seinen vorgezeichneten Weg konnte das Eichenblatt nun nicht mehr gehen. Es war getrennt von seinen Brüdern und Schwestern. „Das ist nicht richtig. Das ist ein Fehler der Natur.“, dachte das Blättchen.
Was sollte es jetzt tun? Es war unendlich traurig und wütend und verärgert. Was hatte das Eichenblatt nur falsch gemacht?

Der Wind wirbelte es weiter durch die Luft. Es war losgelöst und hatte jeglichen Kontakt mit dem Erdboden verloren. Was hatte es also falsch gemacht? Warum war es ausgerechnet ihm passiert? War es nicht gut genug? Hatte es sich nicht genug festgehalten? Wurde es von Mutter Eiche nicht genug geliebt und versorgt?
Das Blättchen wusste keine Antworten auf diese vielen Fragen. Jetzt liefen ihm die Tränen und es schluchzte bitterlich. So bekümmert war es.

Was sollte es nun machen, so einsam und verlassen es war? Würde es jemals einen neuen Sinn und eine neue Aufgabe finden? Das Blättchen wusste es nicht.
Nach einiger Zeit gab es sich dem Wind voll und ganz hin. Es ließ sich davon treiben. Auf eine Rückkehr zu Mutter Eiche und seine Geschwister hoffte es nicht mehr.

Nachdem sich einige dunkle Wolken am Himmel verzogen hatten, schien sanftes Sonnenlicht herab. Die Wärme der Sonne trockneten die Tränen des Blättchens und es spürte einen leichten Hauch von Geborgenheit. Und wie es tröstend im sonnigen Winde hin- und her gewogen wurde, veränderte sich seine Farbe von dunklem grün in ein helles und leuchtendes gelbgrün. Auch leichte herbstliche Rottöne wurden sichtbar.

Allmählich sank das Eichenblatt immer tiefer und schwebte nun ganz nah über dem Boden, bis es zum ersten Mal in seinem Leben die Erde auf seiner Haut spürte.
Ganz fest schmiegt es sich an seinen Untergrund und freut sich nach seiner langen Reise endlich gelandet zu sein. Hier unten ruht es selig und fällt in einen tiefen Schlaf während die Sterne am Himmel funkelten. „Gute Nacht lieber Mond“ denkt es, als es zu träumen begann.

Es träumte von seinen Brüdern und Schwestern und wie es hoch oben in der Baumkrone mit ihnen im Wind wiegte und tanzte. Es erzählte ihnen von seiner luftigen Reise. Das Blättchen schaute auch zu Mutter Eiche, welche ihr liebevoll und wohlwissend zuzwinkerte.
So verbrachte es die ganze Nacht, bis es am nächsten Tag erwachte.
Ein Geräusch! So schön und fröhlich. Was mag das nur sein? Auf einer Lichtung lachen zwei Kinderlein. Sie tragen jeweils ein Körbchen mit den Geschenken des Waldes: Tannenzapfen, Moosstücke, Steine und viele Blätter.

Das Eichenblatt in der Nacht

Ein Junge kommt ganz nah heran und betrachtet andächtig das kleine nun buntgefärbte Blättlein. Er nimmt es am Stiel auf und dreht es zwischen seinen Fingern hin und her. Der Junge sieht so glücklich aus, als er es anschaut. Vorsichtig, wie einen kostbaren Schatz, legte er das Geschenk von Mutter Eiche in seinen Korb.
Die Kinder spazieren noch eine Weile und sammeln noch viele Eichenblätter, die auf der Erde liegen. Zuhause werden die vielen Präsente des Waldes auf dem Tisch ausgebreitet. Die Kindern bewundern ihre schönen Naturschätze. Einige Zeit später kleben die Kinder Baumrinde auf ein Blatt Papier. Als nächstes kleben sie kleine Zweige drum herum. Zum Schluss suchen sie die schönsten Blätter aus und kleben sie um die Zweige herum.

Das Eichenblatt staunt und freut sich sehr. Es ist zu einem Baum zurück gekehrt, zwar etwas anders als zuvor, aber dafür ganz besonders. Es ist nicht mehr allein und es schwebt auch nicht mehr haltlos durch die Luft.
Das Blatt hat sich gewendet.
Das Blättlein hat eine neue Aufgabe und ein neues Zuhause gefunden.
Und das freudige Lachen der Kinder kann es zudem jetzt auch jeden Tag hören.

Tapferkeit und Überwältigung

Covid-19 fordert die ganze Welt heraus.

Für Menschen mit einer Schizophrenie im Rucksack ganz besonders.

Diese Menschen haben im letzten Lockdown ganz tapfer durchgehalten. Sie haben die Herausforderungen von Isolation, Verzicht auf soziale Kontakte, Verzicht auf die stabilisierende Normalität (z. B. durch Kurzarbeit oder Schließung der Schulen und Kitas) und die ständige Erinnerung an unsere Verletzbarkeit durch das Tragen des Mundschutzes ausgehalten.

Dann kam der erlösende Segen der Impfung. So langsam konnte man wieder aufatmen. Es wurde wärmer und allmählich sanken zum Glück auch die 100 Tage-Inzidenzen.

Doch langsam aber stetig ging es mir schlechter. Die Anstrengungen der letzten 10 Monate, die Angst vor Corona – vor long Covid, die Verschiedenartigkeit der Berichte in den Medien zu Covid-19 und zu den Impfungen haben tiefe Spuren auf der Seele hinterlassen.

Ich wurde dünnhäutiger, gereizter, empfindlicher. Die Bewältigung des täglichen Haushalts fielen mir immer schwerer. Im Job hatte ich viel Stress. Ein Großkunde hat eine Woche lang meinen Arbeitsbereich überprüft. Ein Ausschuss musste organisiert werden. Ich konnte mich bei der nur schwer konzentrieren und war sehr leicht abzulenken.

Ich hatte die Idee, dass ich Veganerin werden müsse. Gehäuft befasste ich mich mit Themen wie Autismus und Hochsensibilität sowie Spiritualität. Ich war auf der Suche nach mir, weil ich mich nicht mehr spüren konnte. Viel Geld habe ich ausgegeben und mich stark von Sonderangeboten zum Kauf animieren lassen. Das sind viele sogenannte Frühwarnzeichen, die ich zunächst nicht bewusst wahrgenommen hatte.

Erst in einem Gespräch mit meiner Therapeutin kam Licht ins Dunkel. Ich erzählte von den Themen, die mich beschäftigten. Mein Therapeutin fragte mich, wie ich denn auf diese Themen jetzt käme. Das gab mir einen deutlichen Stupser, der mir Klarheit brachte. Das Gespräch wirkte nach…

WEG HERAUS.
Am Abend erhöhte ich deutlich die Medikation in Eigenregie. Im nächsten Schritt schrieb ich meiner wunderbaren Neurologin eine Email. Dabei listete ich die Frühwarnzeichen auf. Sie hat mir gleich am nächsten Tag eine Antwortemail geschickt. Darin schrieb sie, dass eine Medikamentenerhöhung angezeigt sei und ich diese erst einmal 6 Wochen beibehalten solle.

Einige Tage darauf hatte ich meinen regulären Termin mit der Neurologin. Er war sehr aufschlussreich und ich möchte gerne teilen, was sie mir interessantes erklärt hatte:

„Es ginge gerade vielen Schizophreniepatienten wie mir. In dem Moment als die Coronawelle endlich gebrochen wurde, würden viele Patienten dekompensieren, d.h. dass sich ihr Gesundheitszustand stark verschlechterte.
Dies kam auch für meine Neurologin mit ihrer langen Berufserfahrung sehr unerwartet. Normalerweise gäbe es eine Stabilisierung und Verbesserung des Gesundheitszustandes, wenn die trüben Tage der kalten Herbst- und Wintermonate vorüber seien und der Sommer einkehrt. Die gesundheitliche Verschlechterung kam völlig überraschend, denn eine derartige Pandemie hatte es lange nicht gegeben.

Viele Klienten mussten, wie ich, die Medikamente erhöhen. Die Kliniken und Tageskliniken seien überfüllt. Es gäbe keine Plätze für Akutpatienten.
In den Medien würde über mangelndes Personal auf den Intensivstationen berichtet. Doch wie überlastet das Personal in den Kliniken ist, welche unter Hochbelastung arbeiten, wäre leider in den Medien nichts zu hören. Die Pandemie wird noch starke Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben, sagte die Ärztin vorausschauend.“

Falls jemand, der das liest, selbst Betroffene:r ist oder betroffene Menschen kennt, bitte schaut Euch mögliche Frühwarnzeichen an und sprecht mit Neurologen über die Medikamentendosis.

Ich habe die Dosis stark erhöht. Es geht mir viel besser. Der innere starke Leidensdruck hat sich aufgelöst und ich fühle mich innerlich ruhig und friedlich. Ich bin ausgeglichener und schaffe die täglichen Haushaltsaufgaben wieder deutlich besser. Ich befasse mich nicht mehr mit Autismus, etc. Zum Entspannen kann ich mich wieder ans Wasser setzen und empfinde dies nicht mehr als Stress. Meine Gedanken sind wieder fokussiert.
Aber ich gebe auch zu, das ich kurz die Idee hatte, die Medikamente wieder zu reduzieren. Das gehört zu dem Prozess dazu, denke ich.

Ich bin dran geblieben und Tag für Tag ist es besser und leichter geworden.
Auch einen schönen Roman kann ich wieder ganz in Ruhe lesen, was mir viel Freude bereitet und mich entspannt. Der Kampf gegen mich selbst, dagegen dass mir kleine Dinge (wie Müll wegbringen) so schwer fallen, sind eingestellt. Das ist für mich sehr heilsam.

BEEINTRÄCHTIGEN MICH DIE NEBENWIRKUNGEN?
Ich würde lügen, wenn ich „nein“ sagen würde. Ein leichtes Gefühle von gedämmt sein habe ich anfangs schon gespürt. Es fiel mir etwas schwerer mich auf meine Arbeit zu konzentrieren, obgleich ich mich weniger ablenken ließ. Es ist gar nicht so leicht es klar und differenziert zu beschreiben.
Ich würde es so zusammenfassen: Mein grundlegendes Lebensgefühl ist viel entspannter und weniger von Leid und Schmerzgefühlen geprägt.

Einige Betroffene machen sich Sorgen über eine Gewichtszunahme, bei einer höheren Medikation. Auch für mich ist es eine sehr unangenehme Nebenwirkung, vor allem vor dem Hintergrund einer ausgeprägten Essstörung im Jugendalter.
Mein Appetit wurde größer. Der Wunsch nach süßen Speisen jeglicher Art hat zugenommen. Eine kurze Zeit war es mir nicht aufgefallen. Doch spätestens als die Kleidung anders gesessen hatte, wurde es mir bewusst. Zum Glück hatte ich einmal gelesen und schon mehrfach erfolgreich angewendet, dass in solch“ einem Fall Mariendistelkapseln sehr gut helfen und die Leber unterstützen. Mein Tipp für alle Betroffenen. Man bekommt sie in jedem Drogeriemarkt. Mein Appetit auf Süßes ging zurück, mein Appetit auf frisches Obst und Gemüse wurde wieder spürbar. Damit sich kein Heißhunger einstellen kann, gönne ich mir ab und zu Bitterschokolade (70%) oder Mandeln. Zusätzlich mache ich jeden Morgen 10 Minuten Yoga. Das weckt den Körper auf und trainiert auf leichte Weise die Muskeln und die Atmung.

NOCH EIN PAAR ANMERKUNGEN ZUM SCHLUSS
Meine Neurologin meinte, dass auch die Zunahme der Reize einen Belastungsfaktor darstellt. Im Lockdown war alles heruntergefahren. Dann haben Restaurants und Geschäfte wieder geöffnet. Viele Menschen sind auf den Straßen und in den Parks. Auch hier sind betroffene Menschen gefährdet.

Meine Neurologin hat mir ein paar Tipps für diese Zeiten gegeben:
– in die Natur gehen, wo wenig Menschen sind
– volle Parks und Plätze meiden
– Mandalas bunt ausmalen, man hat danach ein Ergebnis in der Hand
– soziale Kontakte in Maßen

Zusätzlich ein paar Ideen von mir:
– etwas schönes Lesen, vllt einen Roman mit Happy End
– ausreichend Schlaf
– frisches Obst und Gemüse essen
– genug Trinken, v.a. Tee oder Wasser
– Pausen einlegen
– kleine To-Do Listen schreiben und abhaken
– lustige Videos schauen, Lachen ist die beste Medizin
– singen
– Bewegung: Tanzen, Yoga, Kraftübungen, Radeln, Spazieren (Stressabbau, Körper spüren)

Ich habe endlich wieder das Gefühl, das Ruder über mein Leben in der Hand zu haben! Ein herzliches Dankeschön an meine Therapeutin und meine Neurologin.